Der Tag in Solingen begann mit jener leisen Vorahnung, die Mannschaftsführer kennen wie das Klappern der Figuren im Turniersaal: Gegen Solingen VI, diesen breit aufgestellten Schachkoloss, würde es für die Lenneper Delegation schwer werden. Und doch reisten sie vollständig an – ein kleiner Verein, der seine Bretter füllt, während anderswo die Lücken größer sind als die Rochadewege mancher Könige.
Tom gewann erneut kampflos, zum dritten Mal im fünften Spiel. Ein Sieg ohne Schweiß, ohne Drama, ohne das metallische Klingen jener imaginären Messer, mit denen er viel lieber über das Brett stürmen würde. Seine Zuverlässigkeit bleibt unbestritten, sein Hunger nach echtem Kampf ebenso.
Irena, kurzfristig eingesprungen, musste als Erste die weiße Fahne hissen. Es war ein mutiger Einsatz gegen einen Gegner, der nominell zwei Ligen höher zu stehen schien. Ihr Auftritt sicherte dem Team jedoch etwas, das in diesen Klassen selten genug ist: Vollständigkeit. Acht Bretter, acht Kämpfe.
Luca bestätigte seine blendende Form und holte den einzigen vollen Punkt des Tages – ein Lichtstrahl, der kurz durch die Solinger Wolken brach. An den übrigen Brettern stemmten sich die Lenneper gegen die drohende Niederlage, suchten Gegenspiel, suchten Halt, suchten Wunder. Doch die Bretter kippten, eines nach dem anderen, wie Dominosteine, die sich nicht mehr aufhalten ließen.
Nur Thomas trotzte dem Trend. Mit einem Freibauern, der wie ein trotziges Fähnchen im Wind stand, rettete er ein Remis und damit ein kleines Stück Würde für die Mannschaft.
Am Ende half das, was nach solchen Tagen immer hilft: ein Tisch beim Griechen, warmes Essen, gemeinsames Lachen. Die Niederlage blieb, aber sie verlor an Schärfe. Und vielleicht ist das die eigentliche Kunst im Mannschaftsschach – nicht nur zu kämpfen, sondern gemeinsam weiterzugehen.